NutzerInnen im Fokus

Der Faktor Mensch kommt manchmal zu kurz. Das trifft auch auf Bemühungen zur Steigerung der Energieeffizienz in Industrie- und Gewerbebetrieben zu. Das Klimafonds-Leitprojekt „NutzerInnen im Fokus“ von vier steirischen Klima- und Energie-Modellregionen* versucht diese Potenziale zu heben. Denn energiebewusste MitarbeiterInnen können ebenso deutliche Einspareffekte erzielen wie manch technische Maßnahme.

„Es macht einen Unterschied, wie ein Mitarbeiter darauf reagiert, wenn die Druckluftanlage zu pfeifen beginnt. Sagt er 'geht eh noch' oder verständigt er den Chef, dass ein Schlauch oder Ventil getauscht werden sollte?“ erklärt Franz Kern, KEM-Manager der Energieregion Weiz-Gleisdorf und Geschäftsführer des Weizer-Energie-Innovations-Zentrums. Gemeinsam mit Angelika Allmer-Glatz, KEM-Managerin der Region EnergieIMpuls Vorau, setzt er das Leitprojekt „NutzerInnen im Fokus“, an dem sich fünf steirische Unternehmen** beteiligen, um.

Fünfstufiges Projekt. „Kern des Leitprojekts ist ein neuartiges Energie-Managementsystem, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellt“, erläutert Allmer-Glatz. Der fünfstufige Prozess beginnt mit einem Workshop. Danach werden die Rahmenbedingungen ermittelt und einzelne Maßnahmen ausgewählt: Wer könnte in welchem Bereich wie viel einsparen? In einem zweiten Workshop werden die identifizierten Einsparpotenziale und die dafür nötigen Verhaltensmaßnahmen vermittelt, bevor im vierten Schritt der Testbetrieb startet. Im abschließenden Workshop werden Erfahrungen und Ergebnisse analysiert.

„Es wird zunehmend wichtig, nicht irgendein Energiemanagementsystem über die Menschen zu stülpen, sondern diese mehr einzubeziehen“, beschreibt Allmer-Glatz die Psychologie hinter dem Leitprojekt. „Werden die gesteckten Ziele erreicht, winken den MitarbeiterInnen Belohnungen.“ Dabei werden nicht Einzelne, sondern immer Gruppen von MitarbeiterInnen – zum Beispiel einzelne Abteilungen – belohnt, zum Beispiel mit einem Betriebsausflug. Damit soll ein Wettbewerb untereinander vermieden, aber ein gewisser Gruppendruck aufgebaut werden, in dem sich die NutzerInnen gegenseitig anspornen.

Minus zehn Prozent. Wie viel Energie kann aber tatsächlich durch bewusstes BenutzerInnenverhalten in Industrie- und Gewerbebetrieben eingespart werden? „Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das in jedem Unternehmen verschieden ist“, so Kern. „Aber ein Richtwert von zehn Prozent Einsparungen, bezogen auf die gesetzten Maßnahmen, scheinen innerhalb eines halben Jahres durchaus zu erzielen sein.“ Außerdem darf mit weiteren positiven Effekten des Leitprojekts spekuliert werden.

„Menschen, die sich in einem bestimmten Bereich in effizientem Verhalten üben, beginnen auch in anderen Bereichen mehr über den bewussten Umgang mit Energie nachzudenken. Gelingt einer Abteilung die angepeilte Einsparung, motiviert das auch andere Abteilungen, es den Kolleginnen und Kollegen gleich zu tun“, erläutert Kern. „Wichtig ist, dass im Unternehmen ein neues Bewusstsein entsteht. Denn es geht ja nicht nur um einen netten Betriebsausflug oder um den Klimaschutz, sondern letztlich auch um die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld.“

Mensch und Maschine. Im Herbst startete in den meisten Unternehmen der sechsmonatige Testbetrieb. Mit ersten Ergebnissen darf Anfang April gerechnet werden. „Ich bin schon sehr darauf gespannt“, meint Christoph Wolfsegger, Programm- und Research-Manager im Klima- und Energiefonds. „Denn die Erfahrung zeigt, dass die effizienteste Technik ohne mitdenkende NutzerInnen nicht richtig funktioniert. Ein sparsames Auto wird zum Benzinfresser, wenn man es mit Bleifuß fährt, und keine Lüftungsanlage kann Wärme zurück gewinnen, wenn die Fenster offen stehen.“

Seit 2013 entwickeln Klima- und Energie-Modellregionen Leitprojekte – Konzepte, Methoden und Projekte für angewandten Klimaschutz –, die auch andere KEMs übernehmen, weiterentwickeln und so für eine rasche Verbreitung sorgen.

Weitere Informationen:
Leitprojekt „NutzerInnen im Fokus“


* Kleinregion Hartberg, Ökoenergieregion Fürstenfeld, EnergieIMpuls Vorau, Energieregion Weiz-Gleisdorf
** Austria Druckguss, Katzbeck, Lebenshilfe Weiz, Stadtwerke Hartberg, Weitzer Parkett

Zur Blogübersicht